RetinaScience
 
Home Patienteninfos Publikationen Impressum

Elektrookulogramm

Die zuvor beschriebenen Varianten des Elektroretinogramms, das Ganzfeld-Elektroretinogramm (ERG) und das multifokale Elektroretinogramm (mfERG) sind die wichtigsten Untersuchung zur Abklärung einer vererbbaren oder erworbenen Netzhauterkrankung. Beide Verfahren untersuchen die Funktion der Photorezeptoren und Bipolarzellen. Ziel des Elektrookulogramms (EOG) ist die Untersuchung der Funktion des retinalen Pigmentepithels. Dieses liegt zwischen Netzhaut und Aderhaut und hat unter anderem die Aufgabe, die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut mit Nährstoffen zu versorgen und Abfallprodukte abzubauen und zu entfernen.

Bei der Messung des EOGs macht man sich zunutze, das im Pigmentepithel eine Grundspannung besteht (Basispotential). Daher besteht eine Spannungsdifferenz zwischen der Vorderseite des Auges, der Hornhaut, und dem hinteren Augenpol von ca. 6mV. Man spricht auch von einem okulären Dipol. Dabei ist die Hornhaut positiver und der hintere Augenpol mit dem Pigmentepithel negativer. Das Ausmaß des Spannungsunterschieds ändert sich bei Lichteinwirkung. Beim EOG wird eine lichtabhängige Summenantwort des Pigmentepithels gemessen.

Die Messung des EOGs kann mit normalen und weitgetropften Pupillen erfolgen, jedoch muss bei normalen Pupillen ein wesentlich helleres Licht eingesetzt werden. Viele Labors messen daher mit geringerer Helligkeit bei weitgetropfter Pupille, da ein Weittropfen oft sowieso im Rahmen der übrigen Untersuchungen erforderlich ist. Zur Messung des EOGs werden Elektroden seitlich neben den Augen an Nase und Schläfe auf die Haut geklebt. Werden jetzt horizontale Blickbewegungen vorgenommen, ändert sich aufgrund der Spannungsdifferenz im Auge die Spannung zwischen den Elektroden an beiden Seiten des Auges. Um die Messung zu optimieren, werden meist durch Lichtsignale ein bestimmter Rhythmus und eine bestimmte Blickrichtung für die Augenbewegungen vorgegeben. Wie beim ERG schaut man in eine Ganzfeld-Kugel (eine weiß gestrichene runde Kugel), in der es zunächst dunkel ist. Je nach Verfahren wird über 12-40 Minuten die Anpassung der Grundspannung an die Dunkelheit gemessen. Dann wird das Licht in der Kugel eingeschaltet, und die Grundspannung erhöht sich innerhalb von ca. 8-10 Minuten (Hellanstieg). Ist der Gipfel des Hellanstiegs erreicht, ist die Untersuchung beendet. Da die Änderung der Spannung im Pigmentepithel sehr langsam verläuft, dauert diese Untersuchung bis zu einer Stunde. Als Ergebnis wird zur Beurteilung des EOGs das Verhältnis zwischen Grundspannung und Hellgipfels in Prozent angegeben, weil die Grundspannung individuell unterschiedlich sein kann.

Das EOG ist eine gute Methode zur Messung von Veränderungen im retinalen Pigmentepithel. Zwei wesentliche Einschränkungen sind jedoch zu berücksichtigen. Erstens ist das EOG abhängig davon, dass die Photorezeptoren der Netzhaut das Licht erkennen und damit die Reaktion des Pigmentepithels, die zur Änderung der Grundspannung führt. Bei normaler Funktion der Photorezeptoren erhält man mit dem EOG eine ideale Auskunft über die Funktion des retinalen Pigmentepithels. Bei vielen Netzhauterkrankungen sind aber Photorezeptoren und Pigmentepithel betroffen, und dann kann mit dem EOG zwar der Gesamtschaden, aber nicht der Anteil des Pigmentepithels festgestellt werden. In einer solchen Situation (z.B. bei Retinitis pigmentosa, Zapfen-Stäbchendystrophie) erhält man in der Regel mit dem ERG bessere Informationen und kann auf das EOG verzichten.

Ein anderer Nachteil ist, dass mit dem EOG nur eine Summenantwort des Pigmentepithels gemessen werden kann. Es wäre z.B. bei der altersabhängigen Makuladegeneration sehr interessant, die Funktion des retinalen Pigmentepithels an verschiedenen Stellen der Makula gezielt messen zu können (entsprechend einem mfERG), dies ist aber nicht möglich.

Wichtig ist das EOG beim M. Best. Bei dieser Makuladystrophie ist das ERG normal, und der Hellanstieg im EOG fast immer deutlich reduziert. Der M. Best ist eine autosomal dominant vererbte Erkrankung assoziiert mit Mutationen im VMD2-Gen, aber nicht jeder Träger einer Mutation muss erkranken. Nahezu alle Träger einer Mutation, unabhängig davon ob Netzhautveränderungen vorhanden sind oder nicht, zeigen jedoch eine EOG Veränderungen. Daher ermöglicht das EOG bei M. Best die Diagnosebestätigung bei Betroffenen und eine Bestimmung des Risikos einer Vererbung bei nicht betroffenen Familienangehörigen.

Es gibt weitere, seltene Indikationen fĂĽr ein EOG, auf die wegen der Seltenheit jedoch hier nicht eingegangen wird.