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Frühgeborenenretinopathie

Eine besondere Situation der Augenentwicklungsstörung besteht bei Frühgeborenen. Bei ihnen kann es zu einem Stopp der normalen Herausbildung der Netzhautgefäße kommen. Zwar entwickeln sich die Netzhautgefäße später weiter, jedoch kommt es bei ca. 8 -10 Prozent aller Frühgeborenen zur Fehlentwicklung der Gefäße (= Frühgeborenenretinopathie) mit dem Risiko einer schwer behandelbaren Netzhautablösung und nachfolgender Erblindung. Das Risiko steigt je kürzer die Schwangerschaftsdauer und je niedriger das Geburtsgewicht ist. Da es bei frühzeitiger Erkennung der Netzhautveränderungen gelingt, mit Hilfe einer Behandlung eine Erblindung fast immer zu verhindern, ist es sehr wichtig, eine gezieltes Screening-Programm zur Früherkennung der Augenveränderungen durchzuführen.

Leitlinien für ein solches Screening-Programm wurden zwischen Augenärzten und Kinderärzten vereinbart. Danach ist eine erste Untersuchung des Augenhintergrundes im Alter von 6 Lebenswochen bei Frühgeborenen sinnvoll, wenn Kinder mit 32 Schwangerschaftswochen oder weniger geboren werden oder schwere Allgemeinerkrankungen nach der Geburt vorhanden waren.

Für die Untersuchung des Augenhintergrunds muss die Pupille mit Tropfen weitgestellt werden, und bei der Untersuchung ist die äußere Netzhaut darzustellen. Dazu wird in der Regel bei mit einem Tropfen betäubten Auge ein Lidsperrer eingesetzt und das Auge mit einem Hilfsinstrument bewegt. Abhängig von dem Befund sind wöchentliche Kontrollen erforderlich, bis das Risiko einer Frühgeborenenretinopathie nicht mehr besteht. Diese Untersuchungen sind aufwendig, bieten aber die einzige Möglichkeit, eine Frühgeborenenretinopathie rechtzeitig zu erkennen.

Bei weitem nicht jede Frühgeborenenretinopathie muss behandelt werden. Wenn bestimmte Komplikationen mit einem hohen Risiko für eine Netzhautablösung und Erblindung bestehen, ist jedoch die Behandlung der Netzhaut mit einem Laser notwendig. Bei rechtzeitiger Laserbehandlung kann eine Netzhautablösung nahezu immer verhindert werden. Da Frühgeborene neben Veränderungen am Auge auch Veränderungen im Gehirn haben können, ist allerdings das endgültige Sehvermögen in den ersten Lebenswochen nicht vorhersagbar.

Bei Kindern mit einer Frühgeborenenretinopathie kommt es im weiteren Verlauf häufiger zum Schielen oder zur Notwendigkeit einer Brille, daher sind regelmäßige halbjährliche, später jährliche augenärztliche Kontrollen sinnvoll.